14 April 2010







To Tweet or not to Tweet?

Twitter ist überall, tweeten gehört dazu. Wozu genau?
Die einen begeistern ihre Anhängerschaft oder Follower mit detaillierten Schilderungen über den gerade durchgeführten Duschvorgang oder die soeben durchlebte Langeweile während des Wartens auf den Bus, die anderen nutzen die Kurznachrichten zur Informierung bevorstehender Termine, wieder andere (in der Regel Unternehmen) versuchen, daraus PR-Kapital zu schlagen, also sozusagen corporate tweeting zu betreiben (wenn man das so bezeichnen darf).
Erstere Gruppe konsultiert sich nicht selten aus Prominenten wie Schauspielern, deren Bewegungen - seien sie noch so minimal - dankbar von der Fangemeinde aufgenommen werden (was diesen Tweets durchaus Sinn verleiht, will man seine Groupies nicht aus den Augen verlieren, die mit Ihren Stars rund um die Uhr bangen wollen).
Die zweite Gruppe (die mit den Terminen...) nutzt dieses Medium ebenfalls nicht ganz ohne Sinn, will man als Abonnent kein Konzert seiner favorisierten - und tweetenden - Band verpassen. Insofern bezeichne ich das Tweeten wichtiger Unternehmenstermine wie eines angesetzten Vortrags oder des Erscheinens eines neuen Produkts als durchaus sinnvoll - womit wir ganz schnell beim Thema Kommerzialisierung angelangt sind. Eine aktuelle dpa-Meldung machte heute bekannt, dass die werbefreie Zeit beim Kurznachrichtendienst Twitter vorbei sei. Firmen können also demnächst Anzeigen schalten, die passend zur Suche nach bestimmten Themen erscheinen. Laut dpa gehören zu den ersten Unternehmen, die ihre Produkte auf diese Weise anpreisen möchten, Starbucks, Virgin (America) und Elektronikriese Best Buy. Ein Schritt in die richtige Richtung? Aus meiner Sicht ein klares Nein. Nur zu oft verwässerte die Zulassung kommerzieller Anbieter die Brauchbarkeit ehemals durchaus interessanter Dienste. Beobachten konnte man dies unter anderem beim größten Internet-Auktionshaus, dessen Zweckmäßigkeit für private Nutzer unter der mittlerweile überwiegenden Schaltung kommerzieller Angebote ächzt: eine sinnvolle Nutzung (wohlgemeint für Privatanbieter bzw. -nachfrager) ist nur noch sehr eingeschränkt möglich.

Zum Thema: möchte der Twitter-Abonnent nun in Zukunft seinen für ihn/sie interessanten, bisher werbefreien Kurznachrichtenschwall in einem Meer aus Werbetweets ertrinken sehen? Ich denke nicht; auf absehbare Zeit wird die getroffene Entscheidung den Twitter-Usern mehr schaden als nutzen. Ob dies auch für das Unternehmen Twitter zutrifft, wird sich noch zeigen, zeigt doch das Beispiel Google Adwords, dass sich mit ähnlichen Maßnahmen mehr als eine goldene Nase verdienen läßt.
Zurück zur Ausgangsfrage: (selber) tweeten oder es doch lieber bleiben lassen? Solange das Unternehmen für den Kunden wertvolle Informationen mitzuteilen hat, ja (Termine, Empfehlungen etc.). Beschränken sich diese Informationen auf Binsenweisheiten wie z.B. die 100ste Wiederholung einschlägiger Marketing-Tipps, eher nein. Erkennen die Abonnenten einen solchen Thread richtig als Spam, tweetet das Unternehmen bald auf dem letzten Loch. Mein Rat: möchten Sie Twitter tatsächlich als Informationsquelle für Ihre Kunden anbieten, nehmen Sie dies (genau wie Ihre Abonnenten auch) von vornherein ernst - so wie Sie es von bewährten Werkzeugen wie Ihrer Newssektion mit RSS oder Blogs etc. kennen.
Wie Twitter selbst auf seiner Website schreibt: "Twitter kann die digitalen Fähigkeiten jeder Firma steigern. Deswegen sind wir überzeugt, dass es vorteilhaft für Firmen aller Art sein könnte." Konjunktiv.

Lassen Sie das Tweeten nicht in Werbung ausarten, der Weg in die "Top Tweets" wird Ihnen versperrt bleiben. Andernfalls ziehen nicht nur Ihre Follower, sondern auch das Renommee Ihres Unternehmens den Kürzeren.

Sollte Sie der Einsatz von Twitter immer noch interessieren, finden Sie mehr zum Thema im Twitter 101.